Blühpatenschaften – eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft 

Foto: Landwirtschaftskammer OÖ

„Die Rechnung ist einfach: Je mehr Patenschaften es gibt, desto mehr Blühflächen erblühen und desto mehr Lebens- und Nahrungsgrundlage gibt es für Bienen und blütenbestäubende Insekten. Der positive Nebeneffekt des Projekts ist, dass damit eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft geschlagen wird. Das Projekt steigert in der Bevölkerung das Bewusstsein für Artenvielfalt und Biodiversität, sorgt aber auch dafür, dass die Leute wieder mehr miteinander reden. Wenn die Paten ,ihre‘ Flächen besuchen, ergeben sich Anknüpfungspunkte für die Kommunikation und dabei können die Landwirte ihre Arbeitsweise erklären“, erläutern LK-Präsident Franz Waldenberger und Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger.

Ab 15 Euro ist man mit dabei

(Wild-)Bienen und Insekten kann man am besten mit Blühflächen fördern. Wenn jemand keine eigenen Flächen hat, aber trotzdem die Biodiversität fördern möchte, können Blühpatenschaften abgeschlossen werden. Mit einem finanziellen Beitrag von 15 Euro pro 25 Quadratmeter für ein Jahr ist man bei dem Projekt dabei. Landwirtinnen und Landwirte legen in Kooperation mit dem Maschinenring OÖ in ganz Oberösterreich Blühflächen an und pflegen diese. Wer Interesse an Blühpatenschaften hat, kann sich im Internet auf folgenden Seiten informieren: www.maschinenring-bluehpatenschaft.at oder www.bienenzentrum.at.

Die Blühpaten erhalten nach Abschluss der Patenschaft die Koordinaten der Fläche, die sie jederzeit besuchen können und werden auf einer Patenschaftstafel vor Ort sowie auf der Homepage des Bienenzentrums OÖ namentlich erwähnt. Die Blühpatenschaft kann auch zu Anlässen wie zum Muttertag oder zu Weihnachten verschenkt werden und eignet sich auch für Firmen und Unternehmen als Weihnachtsgeschenk für ihre Mitarbeiter. „Die Blühpatenschaft ist eine neue, moderne Art Blumen zu verschenken. Außerdem ist sie eine unkomplizierte Möglichkeit, Blühflächen zu schaffen, wenn man selber keinen Garten hat oder auch einfach nicht das Know-how und die Zeit dafür hat, selber Blühflächen anzulegen“, betont Agrar-Landesrätin Langer-Weninger.

Entwicklung der Patenschaften

Das Projekt Blühpatenschaft startete 2020 mit etwa 50 Patenschaften. Dabei wurden insgesamt 3.575 m2 Blühflächen von oberösterreichischen Landwirten für Patenschaften genutzt. Im Jahr darauf erhöhten sich die Flächen auf 4.671 Quadratmeter.

„Die Bereitschaft seitens der Landwirtschaft, produktives Agrarland in Blühflächen zu transformieren, ist sehr hoch. So stellten heuer Landwirte aus Oberösterreich Blühflächen im Ausmaß von 52.430 Quadratmeter zur Verfügung. Es haben sich jedoch lediglich für ca. zehn Prozent dieser Fläche Blühpaten gefunden. Mit nur 20 neu abgeschlossenen Patenschaften besteht daher noch Luft nach oben. Wir laden daher die gesamte Bevölkerung ein, ihr Engagement für Biodiversität in Form einer Blühpatenschaft auszudrücken“, fordert Präsident Waldenberger die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher auf, mit weiteren Blühpatenschaften ein Zeichen für die Biodiversität zu setzen.

„Ich habe ja Kinder!“ ist die spontane Reaktion von Karin Traxler auf die Frage, warum sie in Blühpatenschaften investiert hat und führt weiters aus: „Als Christkind überraschte ich mich, meinen Ehemann, meinen Bruder mit seiner Familie sowie meine Eltern vergangenes Jahr mit einer Blühpatenschaft!“

„Für mich und auch meine Familie ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema und so hab ich ein bisschen recherchiert und bin bald auf die Möglichkeit der Blühpatenschaften gestoßen. Ich habe nicht nur für mich eine Patenschaft abgeschlossen, sondern damit auch für meine Lieben ein sinnvolles Weihnachts-Geschenk gefunden, das sowohl zur Förderung der Biodiversität als auch der örtlichen Landwirtschaft beiträgt. Zum Muttertag haben wir dann alle gemeinsam mit Opa und Oma einen Ausflug zu „unserer“ Blühfläche nach Walding gemacht und konnten schon ein buntes Treiben beobachten!“, erzählt Karin Traxler bei einem Lokalaugenschein bei der Blühfläche in Walding.

So sieht’s derzeit auf den Blühflächen aus

Im Herbst sind Blühflächen für uns Menschen nicht immer ein „Augenschmaus“, da der Großteil verblüht, abgetrocknet und verholzt ist. Nichts desto trotz sind Flächen dieser Art sehr wertvoll für die Biodiversität: Insekten finden Unterschlupf und haben für den kommenden Winter ein Quartier und auch die Pflanzenvielfalt bleibt durch das Aussamen bestehen. Flächen mit einem bräunlichen und unordentlichen Erscheinungsbild sind nicht als „schlampert“ abzustempeln – sie beinhalten Leben und spielen für die Erhaltung der Biodiversität eine große Rolle.

„Blühstreifenaktion – ich mach mit“ – erfolgreicher Selbstläufer

Die Blühpatenschaft geht aus dem Ursprungsprojekt „Blühstreifenaktion – mach mit“ hervor. Diese wird seit 2018 in Zusammenarbeit von Bienenzentrum OÖ und Maschinenring OÖ umgesetzt. Für die Servicebereiche Landwirtschaft, Kommunen und Gewerbe sowie Private wurden diverse Saatgutpakete erstellt. „Interessenten können über den Maschinenring OÖ ihr Saatgut mit ein- und mehrjährigen Mischungen von den Saatgutfirmen Kärntner Saatbau und Saatbau Linz bestellen. Es besteht auch die Möglichkeit, die Blühflächen von den Mitarbeitern des Maschinenrings OÖ anlegen zu lassen,“ erklärt Roman Braun, Agrarbetreuer des Maschinenrings OÖ.

Die Aktion startete 2018 mit 333 Teilnehmern. Seit Projektbeginn nahmen vorwiegend Landwirte teil. 2018 legten über 250 Landwirte Blühflächen und Blühstreifen im Agrarland an. Im darauffolgenden Jahr erhöhte sich die Teilnehmerzahl, dabei wurden mehr Gemeinden und Firmen aktiv. „Seit daher lassen sich immer mehr Menschen für die ,Blühstreifenaktion – mach mit‘ motivieren. Das Projekt wurde beinahe schon zum Selbstläufer: Die Teilnehmer wissen, wo sie das Saatgut erhalten und wie sie die Flächen anlegen und pflegen,“ so Roman Braun. In den letzten Jahren wurden auf über 1.000.000 Quadratmeter Blühflächen angelegt, das sind über 100 Hektar. „Zahlen für handfeste Auswertungen fehlen, da nicht alle ihre Blühflächen registrieren lassen, jedoch lässt sich der Erfolg der Aktion in Natura sehen: Ackerrandstreifen, Wegränder, Gemeinderabatten und Privatgärten erblühen mit Wildblumen. Und das ist das, was zählt!“ betont Elisabeth Lanzer, Leiterin des Bienenzentrums OÖ.

„Bee Part“ – jeder Beitrag zählt!

Ob selbstangelegte Flächen oder Unterstützung der Blühpatenschaft: Jede und jeder kann einen Beitrag zu mehr Biodiversität leisten. „Bei Fragen sind das Bienenzentrum OÖ und das Kompetenzzentrum Wildblumen des Maschinenrings erreichbar und beraten gerne zu biodiversitätsfördernden Maßnahmen in Form von Blühpatenschaften oder der Anlage von Bienenweiden“, unterstreicht Elisabeth Lanzer.

„Biodiversität geht uns alle etwas an. Blühflächen sind nicht nur dazu da, Blühpflanzen zu fördern, sondern das gesamte Ökosystem und ihre Kreisläufe zu unterstützen, indem Insekten Nahrung und Unterschlupf geboten wird, die wiederum einen wertvollen Beitrag zur Bestäubung und Erhaltung der Natur leisten“, runden Präsident Waldenberger und Agrar- Landesrätin Michaela Langer-Weninger ab.