20 Jahre Hochwasserkatastrophe

Ein Unglück kommt selten allein, so leider auch im August 2002. Nachdem in ganz Mitteleuropa mehrere Tage lang ungeheure Niederschlagsmengen gemessen wurden, war es am 6. August soweit: Gleich mehrere Flüsse in Oberösterreich traten über die Ufer. Zwischen dem 6. und 8. August 2002 wurden zahlreiche Orte von der Außenwelt abgeschnitten, Straßen und Bahnstrecken wegen Überflutung gesperrt und Stromversorgung sowie Telefonleitungen unterbrochen. Tausende Menschen wurden obdachlos und haben ihr Hab und Gut verloren. Allein im Bezirk Perg gab es 20.000 Hochwassergeschädigte.

Während der ersten Aufräumarbeiten setzte heute vor genau 20 Jahren erneut starker Regen ein und verursachte daraufhin eine zweite riesige Hochwasserwelle. Diese zweite Welle verursachte weitere Überflutungen – der Katastrophenalarm wurde ausgerufen. A8 und A1 wurden wegen Überflutung gesperrt, die Stadt Steyr von der Umwelt abgeschnitten. Das Hochwasser forderte insgesamt drei Todesopfer. In der Nacht zum 13. August brachen Dämme an der Krems. Binnen Minuten steht die Westautobahn bei Ansfelden meterhoch unter Wasser. Dutzende Autofahrer/innen mussten sich auf die Autodächer retten. Linzer Polizisten und Feuerwehrtaucher retteten die Menschen in einem beispiellosen Einsatz. Viele Menschen mussten hilflos zuschauen wie die unkontrollierten Wassermassen binnen kurzer Zeit ganze Ortschaften überfluteten. 58.500 Feuerwehrleute, 4.400 Rotkreuz-Mitarbeiter/innen, 4.700 Soldat/innen, 1.100 Polizist/innen und zahlreiche Freiwillige leisteten mehr als 1 Millionen Arbeitsstunden. Alleine in OÖ ist ein Gesamtschaden von mehr als 1,1 Mrd. Euro entstanden. 

Nach der Hochwasserkatastrophe wurde das größte Schutzprogramm der Landesgeschichte gestartet und so wurden in den vergangenen 20 Jahren knapp 700 Millionen Euro in insgesamt 1.080 Hochwasserschutzmaßnahmen investiert. Mit der Errichtung des Machland Dammes etwa und mit damit verbundenen Investitionen in der Höhe von über 180 Millionen Euro, ist der bisher größte und umfangreichste Hochwasserschutz Oberösterreichs entstanden und bietet dort Schutz vor 100-jährlichen Hochwässern und hatte bereits seine erste Bewährungsprobe bei der Hochwasserkatastrophe 2013. 

Die mitunter größten Schäden entstanden in der Gemeinde Schwertberg aufgrund der über die Ufer getretenen Aist. Alleine in der über 5.000 Einwohner/innen-Gemeinde im unteren Mühlviertel führten die gewaltigen Überflutungen zu enormen menschlichen Leid und Sachschäden in der Höhe von 400 Millionen Euro. In Schwertberg wurden rund 10 Millionen Euro in Hochwasserschutzbauten investiert.

„Es ist gewaltig, was hier in den letzten Jahren in Bewegung gesetzt wurde, um die Bevölkerung vor den Gefahren von Überflutungen und Hochwasser zu schützen. Nach den verheerenden Schäden in vielen Orten Oberösterreichs war klar, dass es neben dem größten Hochwasserschutzprogramm in der Landesgeschichte auch ein generelles Umdenken braucht, wie wir mit unseren Gewässern umgehen. Das Zwängen unserer Flüsse in enge Korsette war ein großer Fehler in der Vergangenheit, der nun Stück für Stück, wo es möglich ist, beseitigt wird. Wir wissen, dass mit der Klimakrise auch die Intensität und Häufigkeit von Starkregenereignissen zunehmen werden. Daher werden wir weiter an dem Ausbau arbeiten und darauf achten, die Maßnahmen in der Abwägung von größtmöglichem Schutz und naturnaher Gestaltung und Verbesserung der Gewässerökologie umzusetzen“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder. 

Foto: Land OÖ

Gesamtüberblick:

Hochwasserschutzmaßnahmen 2002-2022 einschließl. Donau Anzahl
fertiggestellt1080
in Projektierung, lt. Bauprogramm abgefragt bis 2025206
in Umsetzung einschl. aller Instandhaltungen249

Die derzeit laufende größte Baumaßnahme ist die Errichtung des Rückhaltebeckens Krems-Au in Nußbach und Wartberg an der Krems, das das Herzstück des Hochwasserschutzes Kremstal sein wird. Mit Gesamtinvestitionen von 35 Mio. Euro entsteht hier das größte Rückhaltebecken Österreichs. Das Becken Krems-Au umfasst die Errichtung eines Rückhaltedammes mit einer Länge von 1,9 Kilometern und einem gesamten Speicherinhalt von 2,6 Mio. Kubikmetern. Die notwendige Fläche von über 120 Hektar konnte in wertschätzenden Grundverhandlungen mit über 75 Grundeigentümer/innen gesichert werden. Die Fertigstellung soll noch im Herbst 2022 erfolgen. 

Es wurde aber nicht nur in den direkten Hochwasserschutz investiert, sondern zwischenzeitlich auch die Warn- und Prognosesysteme ausgebaut. Neben einer Vervielfachung der Alarmpegeln an Flüssen wurde ein Frühwarnsystem für kleine und mittelgroße Gewässer aufgebaut. An den großen oberösterreichischen Flüssen wie der Salzach, dem Inn, der Enns und der Donau wurden Prognosesysteme entwickelt, die bis zu 48 Stunden im Voraus Informationen zum Ablauf des Hochwassers geben können.

Informationen zu den aktuellen Wasserständen und Niederschlägen in Oberösterreich werden auf der Webseite des Hydrographischen Dienstes des Landes OÖ zur Verfügung gestellt: hydro.ooe.gv.at